| |
dem Spiegelschwaben heut nur Unglück bringen sollte, so geschah es
alsbald wieder, daß es dem Armen zu Haut und Haaren ging. 'Durch
Memmenge ganget mer net', hatte er gesagt, und als man ihn ob der
Ursache gefragt, hatte er den Kopf geschüttelt und gemeint, er wisse das
selbst am besten! Gingen deshalb rings um die Stadtmauer, die sieben,
um just am andern Ende wieder die Heerstraße zu gewinnen. Aber da
hat sich's denn wiederum augenfällig gezeigt, daß der Mensch seinem
Schicksal nicht entgehen könne. Denn ehe sich's der Spiegelschwab
versehen, sprang aus einem Hopfengarten ein Weib auf ihn zu, eine
rechte Runkunkel, und schrie in einem Ton, der durch Mark und Bein
ging: 'Bischt endlich wieder doh, du Schlingel? Wo bischt so lang
rumkalfaktert, du Galgenstrick?' Dem Spiegelschwab wurde es grün und
gelb vor den Augen, und er vermeinte, sein Ende sei gekommen, denn
die Alte war niemand anders als seine liebwerte Ehehälfte, die er mir
nichts dir nichts sitzengelassen, als er hinausgezogen war mit den
andern Gesellen auf die Wanderschaft. Hier galt's, nicht lange zu
überlegen, war daher flugs mit einem Satze hinüber in die Hopfengärten
zum großen Jubel der andern, die schier bersten wollten vor Lachen.
Aber die Alte, schnell wie eine Bachstelze auf den spindeldürren Füßen,
war hurtig hintendrein, und es hätte wohl einen argen Strauß gegeben
zwischen den beiden, wenn dem Spiegelschwaben nicht gerade zu guter
Stunde ein Schelmenstückchen eingefallen wäre. Er hatte nichts zu
tragen, weil er nichts hatte als das Bärenfell; das tat ihm nun guten
Dienst. Eilig warf er es über den Kopf, schlüpfte behend in die Tatzen
und lief nun auf allen vieren, nicht anders als ein leibhaftiger Bär, rannte
brummend auf die Frau zu, umfing sie mit den scharfen Krallen und
drückte und herzte sie, daß ihr Hören und Sehen verging. Die Alte war
froh, als sie dem Schalk entronnen, der nun freudig mit den andern von
dannen zog. Von Stund an aber schreibt sich der Brauch, daß böse
Männer von ihren Ehehälften gar häufig Brummbären genannt werden.
'Uf Leid folgt Freid!' rief der Allgäuer und zeigte nach dem Leutkircher
Tor, wo ein Wirtshaus stand, über dessen Tür zu lesen war: 'Hier
schenkt man Märzenbier aus!' War keiner unter den sieben, der nicht
gern einen Trunk Bier geschenkt genommen hätte, richteten daher im Nu
ihre Schritte nach dem Wirtshaus und langten mit dem Spieße in der
Hausflur an, in demselben Augenblick, als der dicke Bräuer vor die Tür
trat, nach dem Wetter auszulugen. Als der die Schar erblickte mit dem
furchtbaren Spieß, wurde es ihm eben nicht warm ums Herz, er zog aber
schnell sein Käppchen und fragte höflich nach ihrem Begehr. 'Se wellet e
bißle sei Bier brobiere', sagte der Allgäuer und schritt schnurstracks mit
den Gesellen in die Zechstube. Da ward's dem Wirt klar, daß die
Gesandtschaft mit dem Spieße abgeschickt sei von der schwäbischen
Kreisregierung, wie wohl zu Zeiten geschieht, um das Bier zu kosten und
zu prüfen, ob es preiswürdig sei. Rannte daher spornstreichs in den
|  |
|
| |
|
|